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IT-Fitness

Dienstag, November 20, 2007

Seit einiger Zeit existiert im Internet eine Seite auf der man seine IT-Fitness testen kann. Das ganze mit dem Ziel um festzustellen ob man fit im Umgang mit dem Computer für die Arbeitswelt ist. Dieser Test richtet sich besonders auch an Lehrlinge. Das ganze basiert auf dem Programm „Skills for Employability“ der EU-Kommission, Microsoft und weiteren Industrievertretern. Das Ziel ist: „Bis zum Jahr 2010 [...] in Deutschland vier Millionen Menschen grundlegende IT-Kenntnisse vermitteln“. „Die Förderung elementarer IT-Kenntnisse“ sollen dabei dem gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland nutzen.

Nun habe ich selbst den Test einmal ausprobiert. Man hat ja immerhin ein wenig Ahnung von Computers und so.
Nach ca. 40 Fragen musste ich feststellen, dass der Test eine einzige Farce ist! Das abgefragte Wissen bezieht sich sich zum großen Teil auf spezielles Anwendungswissen, welches man nur haben kann, wenn man eine spezielle Software benutzt. So tauchen sehr oft Fragen der Form „Wo muss man klicken“ auf.
Beispiele:

  • Sie möchten eine neue Netzwerkverbindung herstellen. Worauf können Sie dazu klicken?
  • Wo können Sie festlegen, dass die Taskleiste automatisch ausgeblendet wird?
  • Worauf können Sie klicken, um die Mauseinstellungen zu ändern?
  • Sie möchten mit einem Textverarbeitungsprogramm einen Brief schreiben. Worauf klicken Sie, um das Programm zu starten?
  • Wo können Sie im Diagramm-Assistent klicken, damit das Diagramm als eigenes Tabellenblatt in der Arbeitsmappe eingefügt wird
  • Sie möchten in Outlook eine neue Mailingliste erstellen. Worauf können Sie klicken?
  • Sie möchten eine wichtige E-Mail versenden. Worauf müssen Sie in der Symbolleiste klicken, damit Ihre E-Mail mit Wichtigkeit ‘Hoch’ gesendet wird?

Totaler Blödsinn natürlich, wenn man eine andere Software für die gleiche Aufgabe benutzt. Denn da sitzt der Knopf nunmal woanders und sieht vielleicht auch anders aus, kann aber das gleiche. Viel wichtiger, als dass man weiß wo welcher Knopf sitzt ist doch das grundlegende, prinzipielle Vorgehen und nicht das spezielle!
Bei der Fülle an Programmen (die auch gerne schnell veralten) ist es heutzutage daher unerlässlich, dass z.B. Textverarbeitung unabhängig von speziellen programmspezifischen Bedienungsabläufen gelehrt wird. Die Frage ist also nicht wo in der Symbolleiste ein Knopf ist sondern was man gerade eigentlich tut und welche Funktionen einem zur Verfügung stehen. Denn in zwei Jahren oder auf einem anderen Computer in dem die Symbolleiste anders eingestellt ist, ist der Knopf vielleicht wo anders. Wo diese Funktionen sich befinden ergibt meistens aus der Logik der Bedienbarkeit eines guten Programmes.

Zum großen Teil fragt der Test aber Klickabläufe ab, die man auch durch stupides nachklicken erlernen kann. Stupide Bewegungsabläufe hat Ivan Pawlow auch schon einem Hund beigebracht und dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Lernpsychologie geleistet. Doch von IT-Fitness kann hier keine Rede sein. Der Behaviorismus taugt wohl um einfache Verhaltensmuster bzw. Lernvorgänge zu erklären, aber um ein komplexes menschliches Verhalten zu erklären bedarf es doch mehr als schlichte Input-Output Blackbox-Theorien. Scheinbar gibt sich der Test damit aber zufrieden und setzt ganz auf stupide Nachklickorgien. Denn schließlich sollen in mancher Leute Augen Menschen einfach funktionieren und nicht denken.

<klingel> „Wo musst du klicken um den Knochen zu bekommen? Komm ich zeigs dir.“
„Jetzt du“ <klingel>
<klingel> „Ha, jetzt weißt du’s ja schon. Du bist ja voll fit im IT Bereich!“
Nachklickorgien funktionieren übrigens schon. Mein Vater bedient so seinen Computer. Aber wehe die Verknüpfung zum Browser sitzt mal woanders auf dem Desktop …

Aberundet wird der Test schließlich mit der Frage: „Welche Eingabe führt zur Webseite der Firma Microsoft?“ Es folgt eine Liste möglicher Browsereingaben wie man Microsoft finden kann.

Trotz der Misere orakelt Hanns-Eberhard Schleyer, Mitglied im Beirat und Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, frohen Mutes: „Es hat Tradition im Handwerk, dass seine Mitarbeiter schon heute an den Antworten auf die Fragen von Morgen arbeiten.“
Allerdings zweifel ich daran, dass die Antworten von morgen beantwortbar sind wenn die Fragen von morgen sich wieder komplett ändern, weil eine neue Version von was auch immer auf dem Markt ist und der Knopf wo man die Maus einstellt jetzt eben anders aussieht. Die Antworten von heute mögen da kaum helfen. Leute die in diesem Test gut abgeschnitten haben laufen jedenfalls in Gefahr diese Fragen von morgen nicht beantworten zu können, weil sie trotz Klickwissen mit gut oder sogar sehr gut abgeschnitten haben.

4 Kommentare

  1. [...] » IT-Fitness II Donnerstag, November 29, 2007 Leider habe ich in meinem vorletzten Beitrag den IT-Fitness Test an einer Stelle zu Unrecht verdächtigt schamlose Microftwerbung zu betreiben. [...]


  2. [...] hab ich einmal an einem IT-Fitness Test bemängelt, der Computerkenntisse mit Microsoftkenntnissen [...]


  3. [...] für Schüler den ECDL, den europäischen Computerführerschein, an. Scheint mir im Gegensatz zu IT-Fitness ne runde Sache zu [...]


  4. [...] für Schüler den ECDL, den europäischen Computerführerschein, an. Scheint mir im Gegensatz zu IT-Fitness ne runde Sache zu [...]



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