
Bloggen? Das erste Jahr im Rückblick
Donnerstag, April 17, 2008Vor fast genau einem Jahr am 19.4. erblickte mein Weblog mit den Worten “Hallo Welt” zum ersten mal die Bits und Bytes der Blogspäre.
Wohin die Reise thematisch gehen sollte war damals zum Teil schon geplant. Denn was ich nicht wollte war einfach nur eine Ansammlung zusammenhangsloser Beiträge. Andererseits wollte ich mich auch nicht zu sehr einschränken. Was letztendlich daraus geworden ist kann man ganz gut an meiner Tagwolke sehen.
Was mich aber erwarten sollte war mir damals bei weitem nicht klar. Viele positive Effekte haben sich meiner Meinung nach hinsichtlich meines Denkens, Lernens, Schreibens und Daseins ergeben. Ich habe für mich festgestellt, dass ich die Welt genauer und aufmerksamer beobachte. Aufmerksamer, weil ich, manchmal bestimmt auch unbewusst, immer ein Auge darauf habe Dinge zu beobachten über die ich etwas schreiben kann. Denn man ist ja bestrebt über Dinge zu schreiben, über die noch nicht jeder geschrieben hat. Genauer, weil ich gemerkt habe, dass man im Internet nicht einfach irgendwelchen Unfug behaupten kann. Kann man schon aber es wäre mir schlicht gesagt peinlich, wenn irgendein anonymer Surfer in einem Satz meine Aussagen widerlegt. Damit dies nicht passiert überlege ich mir immer recht gut was ich schreib, wie ich’s schreib und ob ich’s schreib. Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass ich angefangen habe einen Artikel zu schreiben und irgendwann bei der Recherche gemerkt habe, dass das was ich schreiben will nur Halbwissen offenbart. Ich gebe zu, dass ich mir in manchen (benoteten) Hausarbeiten mehr Ungenauigkeiten erlaube als in meinem Blog. Eine Hausarbeit liest in der Regel nur ein Mensch - wenn überhaupt. Ein Blogbeitrag lesen definitiv mehr!
Ein weiterer Interessanter Aspekt ist die Blogspäre in der man sich mit seinem Blog bewegt. Fast unweigerlich stößt man irgendwann auf andere Blogs, die einen inhaltlich mehr oder weniger interessieren könnten. Für mich als Lehramtsstudent hatte dies den Effekt, dass ich in Kontakt mit verschieden Lehrerblogs gekommen bin. Dies hat für meinen Berufseinstieg ein wie ich finde großen Wert. Lehrerblogs zeichen sich in der Regel dadurch aus, dass alltägliche schulische Themen zur Sprache kommen. Themen also, von denen ich seit einigen Jahren getrennt bin und zu denen ich keinen Bezug mehr habe - auch was die Aktualität angeht. Vor 5 Jahren gab es z.B. noch kein SchülerVZ. Ich habe diesbezüglich also trotz meines jungen Alters keine eigene Erfahrungen über ein Thema, das in der Schule hohe Brisanz hat. Die einzigen Erfahrungen, die ich vorbereitend auf mein Referendariat bezüglicher schulischer Themen sammeln kann, beruhen also auf den geschilderten Erfahrungen in Lehrerblogs. Natürlich sammelt man auch während des Studiums in verschiedenen Praktika Schulerfahrung. Doch diese zeugen meist von einer Reizüberflutung, in der viele Aspekte untergehen. Umso schöner ist es jedoch diese vergessenen Aspekte in einem Lehrerblog wiederzufinden und mit eigenen Erfahrungen zu vergleichen.
Die geschilderten und näher ausgeführten Aspekte sind bei weitem nicht die einzigen Vorteile die mir das Bloggen gebracht hat. Neben den vielen Vorteilen gibt es auch ein paar kleine Nachteile zu erwähnen. Zum einen verbringe ich jetzt noch mehr Zeit vor dem Rechner. Wobei ich mir dabei nicht sicher bin ob die Rechnerzeit gleich geblieben ist, die produktive Zeit davon aber gestiegen ist, subjektiv ich also meine, dass deswegen die Rechnerzeit gestiegen ist. Dies kann aber eigentlich kaum sein, da in meiner Bude der Rechner mein einziger Freund ist und sowieso schon meine volle Aufmerksamkeit geniest. Der andere Punkt ist, dass ich beim Schreiben fast immer kaum zu einem Ende finde und die Artikel immer ewig lang werden. Früher war eine meiner Eigenschaften immer sehr kurz und sehr prägnant zu schreiben.* Ich habe Angst diese Eigenschaft zu verlieren. Andererseits habe ich das Gefühl, dass ich mich beim erzwungenen Schreiben von längeren Texten leichter tue. Ich meine also bei einer 10-seitigen Hausarbeit nicht mehr nach schon 6 Seiten alles wichtige geschrieben zu haben. Vielleicht hat sich auch mein vernetztes bzw. systematisches Denken durch das Bloggen verbessert mit dem Effekt, dass mir zu einem Stichwort mehr einfällt (im Stile einer Mindmap).
Bla, Bla, Bla …
Für die Zukunft will ich mir vornehmen wieder über mehr schulische Themen zu bloggen. Auch will ich vermehrt kurze, knackige Artikel schreiben und mir mehr Mühe mit den Überschriften geben. Ich selbst find sie meistens zu langweilig.
* Ein Geschichtslehrer sagte einmal in diesem Sinne zu mir: “Samuel, ihr Schreibstil passt zu ihrem Namen. Der Dinkel ist vom Ertrag her eine ungünstige Feldfrucht. Der Inhalt ist jedoch äußerst schmackhaft.” In Bezug auf den Ertrag (im Sinne von Quantität) hatte er ganz sicher recht. Ob er bezüglich des Inhaltes recht hatte weiß ich nicht. Die Klausur, die er mir mit diesen Worten zurück gab war jedenfalls nicht mit “sehr gut” bewertet worden. Ein Anzeichen dafür, dass er mehr Ertrag erwartet hätte?
Das ist ein schöner und reflektierter Überblick. Ich blogge ja schon länger, aber so klar ist mir das nicht geworden - und viele dieser Erkenntnisse treffen auch auf mich zu.
Ja - es macht eben doch einen Unterschied, wenn man für eine (und sei es nur potentielle) Öffentlichkeit schreibt.
Ich bin ganz Ihrer Meinung. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bloggen beim Denken hilft. Weblogs sind somit “Cognitive Tools”. Sie unterstützen beim Fassen klarer Gedanken. Und oft merkt man erst beim Schreiben, dass alles eigentlich ganz anders ist.