
Wagenschein und Co.
Mittwoch, September 26, 2007Gestern hat sich mein Betreuungslehrer in Physik als heimlicher Wagenschein Verehrer entpuppt. Martin Wagenschein ist ein Physiker, der in der Physikdidaktik einen alternativen und teilweise recht umstrittenen Ansatz zum herkömmlichen Ansatz, wie ihn warscheinlich so ziemlich jeder kennt, entwickelt hat.
Nach ihm soll Physikunterricht sokratisch, genetisch und exemplarisch sein.
Jedenfalls habe ich die Chance genutzt und einmal versucht das anzuwenden was Herr Laukenmann uns im ersten Semester hat versucht näher zu bringen. Da ich mein Fahrradkettenmodell doch noch nicht behandelt habe traf sich das ganz gut.
Inspiriert von Wagenschein plante ich also meinen Unterricht. Ich nahm mir dabei vor das FK-Modell ganz im Sinne Wagescheins zu behandeln. Das Wissen soll dabei in den SuS selbst entstehen (genetisch). Ich selbst trete nur als “unwissender Moderator” auf, der durch die richtigen Fragen das Wissen aus den SuS herauszukitzeln (sokratisch). Ob das FK-Modell im Sinne Wagenscheins exemplarisch ist sei einmal dahingestellt.
Leider haben sich meine tolle Überlegungen in der Praxis nicht so bewährt wie geplant. Sehr schnell bin ich wieder dazu übergegangen Dinge einfach zu “verraten” um mehr oder weniger möglichst schnell zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen anstatt die “Leere zu ertragen”. Zudem habe ich es als sehr schwer empfunden die richtigen Fragen zu stellen, sodass Wissen genetisch entstehen kann, ohne dass ich die Lösung vorweg nehme. Auch mein Betreuungslehrer meinte, dass ein Unterricht nach Wagenschein seiner Ansicht nach sehr schwer umzusetzen sei.
Aber ich glaube nichts ist unmöglich. In diesem Fall kann glaube ich Übung den Meister machen. Und ein Versuch war es allemal wert. Zudem habe ich nichts verloren, da die SuS den Stoff meiner Einschätzung nach trotzdem verstanden haben - wenn auch nicht genetisch ;-)
Schade, dass im Physikstudium Wagenschein zu kurz kommt.